KIRCHE HL. SOFIA

Die Kirche Hl. Sofia ist ein orthodoxer Sakralbau in Sofia und nach der Rotunde Hl. Georg die Zweitälteste Kirche in der Stadt. Sie wurde auf den Grundmauern einiger vorher bestehenden antiken Kirchen aus der Zeit der römischen Stadt Serdica errichtet, die von den einfallenden Goten und Hunnen zerstört wurden. Heute ist der Sakralbau als majestätische dreischiffige Kreuzkuppelbasilika mit drei massiven Altären wiederhergestellt. Die Kirchenrituale bei der Wahl der bulgarischen Patriarchen sind in der Neuzeit mit diesem antiken Tempel verbunden.

Im 2. Jh. befand sich an dieser Stelle ein römisches Theater. In den darauf folgenden Jahrhunderten wurden nacheinander mehrere Tempel errichtet. Der erste frühchristliche entstand wahrscheinlich zu Beginn des 4. Jh. unweit der antiken Arena von Serdica, wo viele christliche Märtyrer starben, mitten in der östlichen heidnischen und christlichen Nekropole von Serdica. Es wird vermutet, dass die Kirche als Martyrium (eine Kapelle auf dem Grab der Märtyrer) oder als Grabkirche bestimmt war.

Die älteste größere Kirche an gleicher Stelle, deren römischer Mosaikfußboden bis heute erhalten geblieben ist, war eine Basilika aus der Mitte des 4. Jh. Im Jahre 343 wurde sie der Sitz des berühmten Konzil von Serdica. Bis zum 6. Jh. wurden an dem Bau zahlreiche Veränderungen und grundlegende Positionierungen vorgenommen. In der Mitte des gleichen Jahrhunderts wurde sie sehr stark durch Invasionen der Goten und Hunnen in Mitleidenschaft gezogen. Auf Anweisung des Imperators Justinian I. wurde sie als eine neue große Basilika errichtet und der Gottes Weisheit geweiht. Es wird davon ausgegangen, dass sie seit dieser Zeit nun schon über 1 400 Jahre unverändert diesen Namen trägt.

Nach dem Jahre 809, als Khan Krum die Region von Sofia zum Bestandteil des bulgarischenTerritoriums erklären lies und nach der Christianisierung und so auch im Laufe des gesamten bulgarischen Mittelalters füngierte der Sakralbau fortdauernd als Kathedralkirche der Stadt und wegen seiner Nähe zu der Stadtnekropole für habituelle Trauerfeiern. Während des Zweiten Bulgarischen Reiches (12. – 14. Jh.) hatte sie das Statut einer Metropolitankathedralkirche und verlieh der Stadt ihren Namen Sofia (Weisheit), mit dem sie zum ersten Mal in der Mittedes 14. Jh. dokumentiert wurde.

Nach der osmanischen Eroberung wurde sie in eine Moschee umgewandelt, es wurden Minarette hochgezogen und einzigartige Wandmalereien vernichtet. Es wurden Spuren solcher aus dem 12. Jh. gefunden, die denen aus der Kirche von Boyana vorangingen. Höchstwahrscheinlich wurde der Bau zum ersten Mal nicht durch Angreifer zerstört, sondern durch ein Erdbeben in der Mitte des 15. Jh. Ende des 16. Jh. wurde sie als Moschee vom osmanischen Großwesir kroatischer Herkunft Siyavus Pascha wieder aufgebaut.

In den Jahren 1818 und 1858 stürzte das Minarett durch erneute starke Erdbeben ein und unter den Türken machte sich das Gerücht breit, dass sie den Gott der Giauren (Ungläubigen) erzürnt hätten und die Moschee wurde endgültig von den Unterdrückern verlassen. Der erhalten gebliebeneTeil wurde bis zur Befreiung vom türkischen Joch in ein Lager umfunktioniert. Dort wurden am 4. Januar 1878 mit einem Dankesgottesdienst feierlich die Soldaten der russischen Befreier unter General Gurko empfangen.

Die erste gegenwärtige Restaurierung und grundlegende Rekonstruktion des Sakralbaus war 1930 beendet. Am 21. September des gleichen Jahres wurde die Kirche geweiht. Im Jahre 1935 begann eine systematische Erforschung und Restaurierung unter der Leitung von Professor Bogdan Filov. Archäologische Nachforschungen und zufällige Ausgrabungen enthüllen neue Seiten der christlichen Antike, die hier bewahrt geblieben sind. In den achtziger und neunziger Jahren des 20. Jh. wurde die Kirche erneut restauriert und konserviert als mit dem spätantiken und mittelalterlichen Original am nächsten zu vergleichenden Abbild. An ihrer Südfassade befindet sich die zeremonielle Hauptgedenkstätte der Republik Bulgarien, das Denkmal für den unbekannten Soldaten (Das ewige Feuer).

Heute ist die Basilika Heilige Sofia eines der bedeutendsten Architekturkostbarkeiten, die in Südosteuropa aus der frühchristlichen Zeit erhaltenen geblieben ist. Sie ist von weltweiter Bedeutung.

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