Karlovo

Karlovo liegt im gleichnamigen Talkessel, Teil des bekannten Rosentales, an beiden Uferseiten des Flusses Starareka (Alter Fluss), ein linker Nebenfluss der Stryama. Sie befindet sich 141 km östlich von Sofia und 58 km nördlich von Plovdiv. Es ist der Geburtsort des Freiheitsapostels Vasil Levski, einer der größten bulgarischen Persönlichkeiten.

Die heutige Stadt ist eine verhältnismäßig junge Ortschaft. Sie entstand unmittelbar nach der Osmanischen Invasion als Verwaltungszentrum und Sitz der örtlichen türkischen Feudale in der Nähe des alten Dorfes Sushitsa. Der Ort erhielt seinen Namen Karlovo nach dem regionalen türkischen Feudalherren. Für Karlovo ist der Beginn des 19. Jh. eine Zeit des stürmischen wirtschaftlichen Aufschwungs, der kulturellen Wiederbelebung und des revolutionären Brodelns. Hunderte Flechtmaschinen und Wassermühlen arbeiten entlang des Flusses Stara reka. Reiche Händler kauften die gefertigten Erzeugnisse geschickter Meister der Kupfer- und Goldschmiedekunst, des maschinellen Flechtens von Litzen und Schnüren, der Herstellung grober Wollstoffe, der Kürschnerei u.a. auf und machten ihre Geschäfte im fernen Ausland, so z.B. Ägypten, Albanien, Dubrovnik, Walachei, Wien. Die Stadt machte durch die Rosenölgewinnung und ihren Handel auf sich aufmerksam. Karlovo wandelte sich in eine große und belebte Ortschaft mit einem geformten Zentrum, einem Uhrturm und wunderschönen Häusern. Der Russisch-Türkische Befreiungskrieg setzte trotz der erkämpften Freiheit dem wohlhabenden Leben der Stadt ein Ende. Im Jahre 1877 plünderten und brandschatzten sie die Baschi-Bosuks.

Die Stadt ist der Geburtsort des Daskal (Lehrer) Botyo Petkov, Vater von Hristo Botev, von Dr. Ivan Bogorov (Literat aus der Zeit der Wiedergeburt und Herausgeber der ersten bulgarischen Zeitung Bulgarski orel (Bulgarischer Adler) in Leipzig 1846-1847, der Brüder Evlogi und Hristo Georgiev (angesehene Vertreter des aufstrebenden bulgarischen Bürgertums und Patrioten, machten eine Schenkung im Wert von 6 Millionen Lewa in Goldmünzen für die Bulgarische Hochschule), Brayko Hadzhigenov, Hristo Popvasilev u.a. Aus Karlovo stammt auch der berühmte bulgarische Bergsteiger Hristo Brodanov, der als Erster einen Gipfel über 8000 m, den Lhotse (8516 m ü. NN) bestieg und der erste Bulgare, der am 20. April 1984 seinen Fuß auf das Dach der Welt, auf den Gipfel des Mount Everest (8848 m ü. NN) setzte und danach für immer in seiner eisigen Umarmung blieb.

Sehenswürdigkeiten von Karlovo sind das Denkmal für Vasil Levski (im Altstadtviertel), die Kirchen Hl. Nikolaus und Hl. Gottesgebärerin (Maria) mit den Wandmalereien von Stanislav Dospevski, der alte Steinbrunnen, die Gemäldegalerie, die Häuser Alexandrov, Koprinarov, Patev und Pulev u.a. In der Alten Schule (1871), ein Denkmal aus der Zeit der Wiedergeburt, ist das Historische Museum untergebracht.

Das Haus-Museum Vasil Levski wurde auf Initiative der örtlichen Bevölkerung wieder aufgebaut, da vom Geburtshaus des Apostel, das während des Befreiungskrieges dem Brand zum Opfer fiel, nur noch die Kellertreppe und das Versteck übrig geblieben waren. Im Innenhof steht das Denkmal für Gina Kuncheva, die Mutter Levskis.

/en/

 

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