bulgarische festungen

MITTELALTERLICHE BULGARISCHE FESTUNGEN IN DEN TÄLERN DER FLÜSSE STRUMA (MITTLERER LAUF) UND MESTA

Das Territorium des Bezirkes Blagoewgrad zeichnet sich durch eine stark differenzierte Landschaftsgliederung aus. Im Osten erhebt sich die Gebirgkette der Rhodopen und im Norden das Rilagebirge, im Westen erstrecken sich die Berge Ossogowo, Maleschewsko und Ograshden und im Süden die Berge Belassiza, Ali Botusch und Slawjanka. Den zentralen Teil nimmt das Piringebirge ein, dessen Grat als natürliche Grenze zwischen den Flußgeländen des Struma -und des Mesta-Flusses dient. Kennzeichnend für diesen Bezirk sind die geschlossenen mit schwer gangbaren Schluchten verbundenen Talkessel. Seine Gebiete, begünstigt durch das milde Klima und den fruchtbaren Boden, waren bereits in der Antike besiedelt.

Die archäologischen Forschungen und Ausgrabungen verweisen darauf, daß hier vor lausenden Jahren Siedlungen und Zentren einer hohen materiellen und geistigen Kultur entstanden sind. Eine Reihe von Siedlungen aus der Jungsteinzeit und danach sind ein Beweis für die Sonderrolle und -Stellung des Tals am mittleren Lauf des Struma-Flusses als Zwischenzone und Kreuzweg, wo die Kulturgruppen Thrakiens, Serbiens und des Raums des Ägäischen Meeres sich zusammenfinden. Für die Verbindungen und Wechselbeziehungen der Thraker, der ersten Bewohner auf bulgarischem Boden zur Welt im Raum des Ägäischen Meeres während der Bronze – und Eisenzeit sprechen den schriftlichen Informationen zufolge nicht nur die Funde der materiellen Kultur, sondern auch manche Schriftdenkmäler und Legenden. Bekannt ist z.B. die Legende vom thrakischen Herrscher Resos, der vor der Stadt llion während des Trojanischen Krieges getötet worden sei. Mit den Thrakern hängt auch der Aufbau der frühesten Festungen in diesen Gebieten. Die thrakische materielle und geistige Kultur erreicht im 6.-3.v.u.Z. ihre höchste Blüte. Die wichtigeren Stämme, die diesen Bezirk bewohnt und im politischen und kulturellen Leben der Thraker eine Rolle gespielt hatten, waren die Medien am mittleren Lauf des Struma-Flusses, Duden, Derseen und Deronen den Mesta-Fluß entlang.

Die Unterwerfung der Thraker dem Römischen Reich im Jahre 46 u.Z. wirkt sich auf deren sozialökonomischen, politischen und kulturellen Entwicklung ungünstig aus. Vom Standpunkt der Siedlungsentwicklung aus ist der Zeitraum 1 .-5. Jh. von besonderer Bedeutung. In den Tälern am mittleren Lauf des Struma-Flusses und den Mesta-Fluß entlang entstehen wichtige Zentren wie Nikopolis ad Nestum und auch andere Städte, deren Ruinen im Raum von Kresna, Sandanski und Muletarowo auch heute noch zu sehen sind.

Ein verhältnismäßig dichtes Netz von Festungen erfaßte nun wichtige strategische Punkte und Straßen. Befestigt wurden nicht nur die Städte, sondern auch die Dörfer Gabrowo (Dolno Gradischte), Dolno Zerowo, Bansko, llindenzi , Hadshidimowo, Mossomischte, Krupnik, Ablaniza, Wylkossel, Jakoruda (Gradischka Kalja) u.a., von denen manche von Grund auf umgebaut wurden und mit gewisser Unterbrechung auch im Mittelalter exilierten.

Der genannte Zeitraum ist auch durch eine große auf der Balkanhalbinsel und darunter in den thrakischen Gebieten entstandene ethnische Mannigfaltigkeit gekennzeichnet. Es findet ein fortwährender Zustrom von Barbarenstämmen unterschiedlicher ethnischer Herkunft statt. Dieser Prozeß hängt mit dem Auftauchen der Slawen auf dem Balkan eng zusammen. Sie beginnen bereits Ende des 5. Jh. das Byzantinische Reich zu behelligen, um sich in den darauffolgenden zwei Jahrhunderten in dessen Gebieten ständig niederzulassen. Der Grad, die Maßstäbe und der Umfang der ethnischen Veränderungen sind in den verschiedenen Gebieten unterschiedlich. Der Meinung maßgebender Kenner dieser Probleme nach seien die Gegenden am mittleren Lauf des Struma und des Mesta-Flusses am ernst härtesten betroffen. Die thrakischen Stämme am Struma-Fluß werden durch die slawischen Stämme Strimonzen, Sagudaten und Ranhienen und längs des Mesta-Flusses durch die Smoljaner verdrängt. Die Hauptzentren der antiken Zivilisation wurden inzwischen infolge dieses Wechsels der Stammbevölkerung zerstört. Die neu angesiedelten ethnischen Gruppen führten zur wesentlichen Veränderung der Siedlungsstruktur, darunter der Festungsanlagen herbei. Die antike Toponymik war verschwunden. Die Hydronymik blieb teilweise erhalten, und demzufolge erhielten der Fluß Strimon den slawischen Namen Struma und der Fluß Nestos oder Mestos den Namen Mesta. Es war auch eine Aufeinanderfolge vorhanden, die aber für die allgemeine Struktur des Siedlungsbauwesens und der Kultur nicht ausschlaggebend war.

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